„Was ich will,
das kann ich!“
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„Physik muss in einer leichtverständlichen und amüsanten Form in die Gesellschaft getragen werden.“ – Interview mit Maren Heinzerling

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Maren Heinzerling

Zur Person: Maren Heinzerling studierte in den 50er Jahren Maschinenbau, als einzige Frau. Sie entwickelte unter anderem die „Zauberhafte Physik mit Sprach- und Sachkisten“, um Kindern physikalische Phänomene näher zu bringen. Das ALP nutzt die Sprach- und Sachkisten in vielen Projektangeboten und arbeitet mit Frau Heinzerling für Lehrkräfte-Fortbildungen zusammen.

Wie kam Ihnen die Idee zur „Zauberhaften Physik“?
Als 2005 der alljährliche Berlin-Besuch meiner 10-jährigen Enkelin Agnes ins Haus stand, rief mich mein Sohn vorher an und erklärte mir am Telefon „Mutter, jetzt musst du aktiv werden: Agnes droht auf ein soziales Gymnasium zu gehen – und das wollen wir doch beide nicht!“. Mein Sohn ist Ingenieur. Als Agnes dann kam, machte ich 10 Tage lang kleine physikalische Experimente mit ihr, ging in technisch-naturwissenschaftliche Museen und sprach mit ihr darüber, was Ingenieure so alles bewirken können. Agnes entschied sich nach ihrem Besuch für das naturwissenschaftliche St. Anna-Gymnasium in München und mir wurde klar, dass wesentliche Weichen für den weiteren Ausbildungsweg in Grundschulen gestellt werden.

Bärbel Strübing, eine Kollegin aus dem Arbeitskreis „Frauen in Naturwissenschaft und Technik“ erzählte mir dann noch, dass sie stets mit ihren Enkeln und Kindern aus der Nachbarschaft kleine Experimente mache. Da beschloss ich, mein Wissen und meine Begeisterung für Physik nicht nur familienintern weiterzugeben, sondern auch an Kinder außerhalb meiner Familie.
 
Physik-PatInnen bringen Ihr Konzept „Zauberhafte Physik“ in die Schulen, auch LehrerInnen-Fortbildungen bieten Sie an; wer prägt Ihrer Erfahrung nach besonders stark das MINT-Interesse von Kindern?
Die Lehrkräfte. Sie sind täglich mit den Kindern zusammen und können sie gezielt fördern. Wir verstehen unseren Einsatz als Unterstützung für Lehrkräfte.
 
Inwiefern muss man auch die Eltern und das soziale Umfeld einbeziehen?
Man sollte unbedingt möglichst viele Erwachsene in den „MINT-Feldzug“ einbeziehen. Ich habe für die Physik-Motivation 30 Partyversuche in meine Webseite www.zauberhafte-physik.net eingestellt, die man auf Projekttagen, bei Geburtstagen, an Regennachmittagen oder anderen Anlässen problemlos durchführen kann und die viel Spaß machen – die Idee dazu kam mir übrigens auf meinem 75. Geburtstag, der daraufhin ausgesprochen lustig wurde!

Physik muss unbedingt in einer leichtverständlichen und amüsanten Form in die Gesellschaft getragen werden. Immerhin sind physikalische Grundkenntnisse die Voraussetzung für wichtige gesellschaftliche Entscheidungen.
 
Wie messen Sie den Erfolg der Initiative, und was ist für Sie persönlich ein gutes Ergebnis?
Zum Einen freuen wir uns, wenn die Kinder in der Stunde Warum-Fragen stellen. Das haben viele Kinder offenbar schon verlernt. Zum Zweiten spüren wir die Begeisterung der Kinder, die die Zwischenpause ganz vergessen und uns nach der Stunde fragen: „Wann kommst du wieder?“. Ich freue mich, wenn mir Lehrkräfte berichten, dass sich Kinder, die sonst eher zurückhaltend am Unterricht teilnehmen, in unseren Stunden aufblühen.

Natürlich freue ich mich riesig, wenn ich Lehrkräfte auf Lehrerfortbildungen treffe, die sich begeistert auf mich stürzen und mir erzählen, dass sie einige Sprach- und Sachkisten schon nachgebaut hätten und in ihrem Unterricht benutzten; dann verschwinden sogar für eine Zeitlang meine Rückenschmerzen vor Freude. Wir haben täglich 40 bis 60 Zugriffe auf unsere Webseite und schließen daraus, dass es viele AnwenderInnen gibt, aber wir kennen sie nicht.
 
Sie haben in den 50er Jahren als einzige Frau Maschinenbau an der TU München studiert – wenn Sie damals mit heute vergleichen, wie viel weiter voran sind wir gekommen, was Frauen in MINT-Fächern betrifft?
Enorm! Ich war dankbar, dass ich überhaupt in diesem spannenden Beruf arbeiten durfte; immerhin brauchte man damals noch die Zustimmung des Ehemannes! Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es mal eine Quotenregelung für Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen geben könnte. Die Frauen haben enorm an Selbstbewusstsein gewonnen! Und wenn man den Anteil der Frauen in Studienfächern wie Maschinenbau und Elektrotechnik ansieht, dann kann man nur staunen: 1958 stellte ich an der TU München in meinem Fach einen Anteil von 0,3% dar; 1990, als wir die Mädchen-Technik-Tage bzw. Girls’Days ins Leben riefen, lag der Status quo bei 3%; jetzt haben wir an vielen Universitäten 30%!

Ich verspüre eher eine allgemeine, männliche Hochachtung vor der Leistung von Frauen und kaum noch Skepsis. Aber wir müssen natürlich weiter für diese Akzeptanz kämpfen: manche Männer scheinen die Herabwürdigung von Frauen zum Erhalt ihres eigenen Selbstwertgefühl zu benötigen. Dem müssen wir wachsam entgegen treten und Frauen in solchen Situationen unterstützen. Die Leistungen von Frauen gehören kontinuierlich in die öffentliche Wahrnehmung.
 
An welchen Projekten und Initiativen beteiligen Sie sich darüber hinaus, um mehr Nachwuchs für MINT zu gewinnen?
Ich kämpfe für eine verstärkte Förderung der Kooperation von MINT-Projekten durch entsprechende Rahmenbedingungen und Förderregeln. Ich versuche seit Jahren, mit anderen Initiativen zu kooperieren und werbe um die Zusammenarbeit mit mehr Bürgerstiftungen; ich habe mich an das Haus der kleinen Forscher gewandt, an die Deutsche Physikalische Gesellschaft, an den Verein Deutscher Ingenieure, an die Stiftung Lesen, die Stiftung Teach first, an Berliner Schullabore und an Universitäten, um meine Sprach- und Sachkisten in die Lehrkraftausbildung mit aufzunehmen. Leider muss ich feststellen, dass manche zwar sehr aufgeschlossen für eine Kooperation sind, sich aber die meisten eher so verhalten, als wären wir Konkurrenten. Hier sollten PolitkerInnen helfen, MINT- Aktivitäten zusammenzuführen und zu vernetzen.

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