„Was ich will,
das kann ich!“
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„Man lernt, sich selbst Blut abzunehmen“ – Carmen Köhler spricht beim LMT über ihre Tätigkeit als Analog-Astronautin

Wer Analog-Astronautin werden will, muss einiges aushalten können. Ein für Mars-Missionen konstruierter Raumanzugsimulator wiegt 50 Kilogramm, zwei Stunden lang dauert es, ihn anzuziehen. Auch mal Langeweile auszuhalten und Dinge mit Humor nehmen können, gehört daher zum Job dazu, sagt Carmen Köhler, selbst Analog-Astronautin beim Österreichischen Weltraumforum.

Ansonsten haben weder diese Tätigkeit noch ihr Lebensweg viel mit Langeweile zu tun, weshalb die jungen MINT-Studentinnen, die vor wenigen Tagen in Trier beim Landesweiten Mentorinnen-Treffen des Ada-Lovelace-Projekts zu Gast waren und ihr zuhörten, sie hin und wieder ungläubig anschauten und mit Fragen überhäuften. Beim jährlichen Landesmentorinnen-Treffen haben die Mentorinnen des Projekts die Gelegenheit, sich fortzubilden, untereinander zu vernetzen und selbst Vorbilder wie die Analog-Astronautin Köhler kennenzulernen.

Carmen Köhler

Nach der Schule machte Carmen Köhler zunächst eine Ausbildung zur Friseurin, las jedoch in ihrer Freizeit am liebsten Bücher über mathematische Phänomene und diskutierte mit ihren Kund*innen darüber. Schließich fasste sie den Beschluss, ihr Interesse zum Beruf zu machen, studierte Mathematik, promovierte in der Physik, arbeitete beim Deutschen Wetterdienst und hat sich gerade selbständig gemacht. Nicht gerade ein gewöhnlicher Lebensweg. „Mein Plan ist, dass ich keinen Plan habe“, sagt sie. Ihre Leidenschaft ist der Weltraum, als Analog-Astronautin ist sie speziell ausgebildete Raumanzugtesterin und wird für technische Tests und Mars-Simulation eingesetzt. Dafür hat sie ein hartes Bewerbungsverfahren durchlaufen, die Ausbildung selbst dauert nur ein halbes Jahr. Heute bricht sie regelmäßig mit ihrem Team zu Forschungsreisen in Wüstengebiete wie den Oman oder zu dem Kaunerthaler Gletscher auf, wo die Erdoberfläche der des Mars verblüffend ähnlich sieht. Analog-Astronautin ist sie wie alle im Team ehrenamtlich, die Forschungsreisen werden bezahlt.

Gruppenbild der Mentorinnen

Köhlers Mission gründet nicht nur auf ihrer Überzeugung, dass „wir es zu unseren Lebzeiten erleben werden, dass die erste Person auf dem Mars landet“. Wenn es nach ihr ginge, wäre auch schon längst eine deutsche Frau im Weltraum gewesen. Sie engagiert sich deshalb in der Initiative „Die Astronautin“, die unter hunderten Bewerberinnen zwei Gewinnerinnen gekürt hat, die ins All aufbrechen wollen. Bevor sie die Reise antreten, müssen allerdings noch weitere Sponsoren gefunden werden. Mehr Frauen ins All zu schicken, wäre auch für die Wissenschaft relevant, sagt Carmen Köhler. Wie sich Schwerelosigkeit und die langwierigen physischen Belastungen auf den weiblichen Körper auswirken, könne so viel besser erforscht werden. Auch während der Mission finden wissenschaftliche Untersuchungen statt, dafür müssen sich die AstronautInnen selbst Blut abnehmen können. Im All gibt es niemanden, der das für sie erledigen könnte.

Bis in All ist es ein weiter Weg, Analog-Astronautin werden ist dagegen gar nicht so schwer, erklärt sie den Ada-Lovelace-Mentorinnen: „Du solltest schon einen MINT-Hintergrund haben, aber letztlich kommt es darauf an, wie du tickst“. Bei den Mentorinnen hat sie jedenfalls Interesse geweckt, und kann auch Zweifel an der körperlichen Belastung beseitigen. Bald wird ein neuer Raumanzug bei den Analog-Astronauten den alten ablösen. Der ist dann 20 Kilo leichter.

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