„Was ich will,
das kann ich!“
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„Dem Fach ist dein Geschlecht egal“, ein Interview mit Clelia Albrecht, Gewinnerin des Ada-Lovelace-Preises 16/17

Dieses Interview ist der aktuellen Ausgabe unseres Newsletters entnommen. Den vollständigen Newsletter können Sie hier einsehen

Seit 2010 zeichnet das Institut für Numerische Simulation an der Universität Bonn jährlich seine besten Nachwuchswissenschaftlerinnen mit dem Ada-Lovelace-Preis aus. Die aktuelle Preisträgerin ist die 26-jährige ursprüngliche Kölnerin Clelia Albrecht, die mit ihrer Masterarbeit zum Thema Level-Set Methoden überzeugen konnte.

Ganz simpel erklärt geht es dabei um eine effiziente Computersimulation von Grenzflächen zwischen Flüssigkeiten und/oder Gasen. Ein sehr wichtiger Prozess beispielsweise für die Verfahrenstechnik, die möglichst genaue Vorhersagen der Lage und Gestalt solcher Grenzflächen benötigt. 

Im Interview spricht Clelia mit uns über ihren Weg zum Mathematik-Studium, ihre Erfahrungen als MINT-Frau und ihre Zukunftspläne.  
 
Was wusstest Du über Ada Lovelace, bevor Du „ihren“ Preis gewonnen hast?
Dass sie eine britische Mathematikerin war und die erste Programmiererin (bzw. der erste programmierende Mensch) der Welt! Wenn man sich mit Programmieren beschäftigt, begegnet man ihrem Namen ja zum Glück früher oder später. Seit ich den Preis gewonnen habe, habe ich aber auch eine Biografie gelesen, um noch mehr über sie zu erfahren – wie zum Beispiel, dass es ihre Mutter war, die ihre mathematische Ausbildung ermöglicht hat, und dass sie ihr Programm für eine Maschine geschrieben hat, die noch nicht einmal gebaut worden war.

 

Wie bist Du zur Mathematik gekommen?
Ich mochte viele Fächer in der Schule, Mathematik war eins davon. Als ich meinem damaligen Mathematiklehrer sagte, dass ich überlege, das Fach als Leistungskurs zu belegen, traute er mir das nicht zu – da müsse man „viel logisch denken“. Da dachte ich dann „Ok, jetzt erst recht!“ und der Mathe-Leistungskurs hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Währenddessen habe ich außerdem „Warum gerade Mathematik?“ von Ian Stewart gelesen und mich deshalb (nachdem ich die Bewerbungsfristen für alle anderen Studienfächer, die mich interessiert haben, verpasst hatte) dazu entschieden, es mal mit Mathematik zu versuchen. Und dann hat es so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.

 

Hattest Du während Deines Studiums eine Mentorin oder einen Mentor oder andere Unterstützung, z.B. durch Eltern oder Freund*innen?
Ja, auf jeden Fall! Das Mathematikstudium ist (zumindest in Bonn) so aufgebaut, dass man schon früh viel Kontakt zu Professor*innen und Dozent*innen hat, die einem gerne fachlich weiterhelfen, genau wie man sich viel mit Kommiliton*innen austauscht, die dann auch schnell zu sehr guten Freund*innen werden.

Auf nicht-fachlicher Seite hat sich außerdem mein Chef bei meiner Stelle als Studentische Hilfskraft in der Öffentlichkeitsarbeit der Mathematik der Universität Bonn viel für mich eingesetzt und mich ermuntert, immer am Ball zu bleiben, genau wie meine Eltern und meine Familie. 

 

Was ist Deine persönliche Erfahrung als Frau in einem MINT-Fach?
Grundsätzlich sind meine persönlichen Erfahrungen als Mathematikstudentin durchaus positiv. Es ist aber vorgekommen, dass Einzelne dazu neigen, mich und meine weiblichen Kommilitonen schneller zu unterschätzen, oder uns unterstellen, wir hätten zu viel Hilfe von (natürlich männlichen) Kommilitonen bekommen, ganz so, als wären wir alleine nicht dazu in der Lage, gute Ergebnisse zu erzielen. Das sind aber erstens wirklich Einzelfälle und zweitens fürchte ich, dass einem so etwas überall begegnen kann, unabhängig vom Fach.

Mir persönlich gibt es Hoffnung, dass die meisten meiner männlichen Kommilitonen diese Art von Verhalten selbst völlig inakzeptabel finden und dass viele Menschen im Universitätsbetrieb in dem Bezug sensibilisiert sind. Ich habe außerdem sehr viele sehr positive Erfahrungen gemacht, vor allem der Zusammenhalt zwischen meinen Kommilitoninnen hat mich häufig aufgebaut und gestärkt. Dass es Anerkennungen wie den Ada-Lovelace-Preis gibt, ist natürlich auch sehr schön. Und wenn man mal nicht so schöne Erfahrungen macht, immer daran denken: dem Fach selbst ist das Geschlecht egal.

 

Wie selbstverständlich sind Frauen in deinem Umfeld in MINT-Berufen und was müsste sich aus Deiner Sicht noch bewegen?
Ich kenne zwar viele Frauen in MINT-Berufen, aber es gibt immer noch deutlich mehr Männer, auch in meinem Umfeld. Schon im Studium waren wir Frauen in der Unterzahl. Die Frauen, die da sind, werden aber – von den oben genannten Einzelfällen abgesehen – ganz „normal“ behandelt, zumindest soweit ich das bisher beurteilen kann. Es ist zumindest nicht mehr so, dass man als Frau konstant um einen Platz im MINT-Bereich kämpfen muss, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Trotzdem spricht der niedrige Frauenanteil natürlich dafür, dass noch nicht genug passiert ist. Meiner Meinung nach sollte vor allem in der Gesellschaft mit den Vorurteilen aufgeräumt werden, dass manche Fächer für ein bestimmtes Geschlecht besser geeignet sind als andere. Diese Vorurteile ändern sich sowieso mit der Mode (in den Anfangstagen des Programmierens wurde dies zum Beispiel häufig eher als „Frauenarbeit“ angesehen, weil es mit einer Schreibmaschinentastatur zu tun hat) und halten leider viel zu oft junge Menschen davon ab, ein Fach zu studieren oder einen Beruf zu ergreifen. 

 

Wo geht es für Dich beruflich hin?
Ich bin seit Mai 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer Institut für Algorithmen und wissenschaftliches Rechnen SCAI und forsche hier in der Abteilung „Numerische Software | Meshless Multiscale Methods“ an effizienten gitterfreien Lösern für partielle Differential-gleichungen, insbesondere der Schrödingergleichung unter Bloch-periodischen Randbedin-gungen. Wenn alles nach Plan geht, werde ich darüber auch promovieren. Es bleibt also spannend und mathematisch für mich!

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