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„Heute gibt es mehr Vorbilder“ – ein Interview über MINT-Frauen in der Gesellschaft und Mentoring-Wirksamkeit

Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl, Dekanin des Fachbereichs Bildungswissenschaften an der Universität Koblenz-Landau, ist seit 2010 wissenschaftliche Leiterin des Ada-Lovelace-Projekt
Prof. Dr. Barbara Hahn, Prodekanin des Fachbereichs Mathematik und Technik an der Hochschule Koblenz, hatte die wissenschaftliche Leitung von 2006-2009.
Prof. Dr. Elisabeth Sander, emeritierte Professorin für Psychologie, an der Universität Koblenz-Landau, war die erste wissenschaftliche Leitung des Projektes (1997-2006).

 

Frau Prof. Sander, Sie sind 1941 in Wien geboren und waren eine der ganz wenigen Frauen Ihres Jahrgangs, die 1959 Abitur gemacht haben. Können Sie sich an MINT-Frauen aus dieser Zeit erinnern?

Frau Prof. Sander: In meinem Umfeld kannte ich niemanden. (Überlegt) Doch – ich kann mich erinnern, meine Freundin hat Mathematik und Physik auf Lehramt studiert, und da gab es, in Physik glaube ich, eine Professorin, die natürlich nicht verheiratet war und so richtig aussah, wie man sich damals eine Professorin vorstellte, ungeschminkt, Knoten, und völlig unmodisch angezogen. Aber eine super gescheite Frau. Und die war bei den Studierenden super anerkannt.

Hatten Sie eine Mentorin oder eine Art Vorbild, die Sie ermutigt hat, in die Hochschullaufbahn zu gehen?

Frau Prof. Sander: Nein, ich war eine exzellente Schülerin, von der ersten Klasse an. Deshalb haben meine Eltern nichts dagegen gehabt, dass ich studierte. Und die Lehrer sahen das auch als selbstverständlich an. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte ich vermutlich vom Elternhaus aus nicht studiert. Als ich mein Studium beendet hatte, war es keineswegs mein Ziel, eine Hochschullaufbahn einzuschlagen. Das hat sich später ergeben.

Sie wurden nach der Projektgründung 1997 erste Wissenschaftliche Leitung im Ada-Lovelace-Projekt. Können Sie in einem Satz sagen, was Ihre Ziele als wissenschaftliche Leitung damals waren?

Frau Prof. Sander: Ich wollte, dass dieses Projekt funktioniert und Erfolg hat. Und Erfolg im Sinne der Zielstellung war, dass wir mehr Frauen für ein Studium im MINT-Bereich gewinnen konnten. Nach 10 Jahren haben wir dann eine Studie durchgeführt, in der wir feststellen konnten, dass sich tatsächlich der Anteil von Frauen in MINT nach 10 Jahren in Rheinland-Pfalz im Vergleich zum Bundesdurchschnitt angehoben hatte, während er vor dem Ada-Lovelace-Projekt unter dem Bundesdurchschnitt lag. Wir konnte natürlich nicht sagen, nur durch das Ada Lovelace Projekt wurde das erreicht, aber es ist sicherlich so, dass das Ada-Lovelace-Projekt mit dazu beigetragen hat.

Bei Mentoring-Projekten ist es ja generell schwierig, die Wirksamkeit zu belegen (…)

Frau Prof. Sander: Ja es ist methodisch sehr schwierig, aber man kann das schon machen. Das Projekt agiert in einem großen Raum, wo sehr viele andere Faktoren auf die Aktivitäten, die das ALP bietet, mit einwirken. Und wenn sie ein Experiment durchführen, können sie ja den Faktor der Projektaktivität nicht isolieren, sondern Sie können ihn nur in dieser Einbettung mit allen anderen Faktoren überprüfen. Das Ada-Lovelace-Projekt ist nur wirksam innerhalb dieses Wirkzusammenhangs. Wenn sie also wie im Sinne der klassischen Experimentalpsychologie argumentieren würden, ich will diesen Faktor isolieren, ist das ja schon künstlich.

Frau Hahn, Sie sind Frau Prof. Sander als Wissenschaftliche Leitung gefolgt. Wie haben Sie das Projekt damals wahrgenommen?

Frau Prof. Hahn: Ich habe durch das Projekt eine ganze Menge gelernt. Ich bin eigentlich reingegangen so nach dem Motto, ich habe Physik studiert, Physik ist interessant, das muss doch eigentlich einleuchten. Aber mir war eigentlich schon immer klar, dass so ein gewisser Vorbildcharakter, der im ALP ganz, ganz wichtig ist, dass der auch wirken kann. Ich habe gelernt, dass gerade die Altersgruppen, mit denen wir uns im ALP beschäftigen, das sind halt hauptsächlich die in der Pubertät. Das ist eine ganz, ganz kritische Zeit. Weil dann die Mädchen ihre eigene Rolle als Frau finden sollen oder wollen und dann plötzlich einfach eine Technikaversion entwickeln, die vorher gar nicht da war. Und man muss die eigentlich vorher abholen und muss versuchen, die weiter zu begleiten, über die Pubertät hinweg.

Auf welchem Stand ist da ALP heute, Frau Quaiser-Pohl?

Frau Prof. Quaiser-Pohl: Es ist wahnsinnig groß geworden. Es ist in ganz Rheinland-Pfalz vernetzt. Und es hat inzwischen wirklich auch einen „Good-Practice“- Status bundesweit. Wir werden immer wieder angefragt, der Name ist bekannt, das Projekt ist bekannt. Und das hat damit zu tun, dass es über die 20 Jahre kontinuierlich durchgeführt wurde und ein bestimmtes Prinzip verfolgt. Es ist ja nicht nur Mentoring, es ist ja vieles mehr. Wir machen Mentoring, wir machen Workshops, wir machen Vernetzung mit der Wirtschaft, Vernetzung mit Schulen, das sind ganz viele Ebenen, die sich wirklich auch bewährt haben

Wie sieht das in Zukunft aus, welche Herausforderungen kommen auf das Projekt zu und wie muss es darauf reagieren?

Frau Prof. Quaiser-Pohl: Ich finde, es ist ein großes Problem, dass Frauenförderprojekte seit einigen Jahren insgesamt sehr negativ betrachtet werden. Dass man sagt, Frauen brauchen keine Förderung mehr, die Gleichstellung ist erreicht, Mädchen haben bessere Bildungsabschlüsse usw. Das führt dann dazu, dass die Mädchen so eine Art Sonderbehandlung selbst nicht mehr möchten. Und dass man sich schadet, wenn man das Projekt mit solchen Aussagen bewirbt, dass das Projekt für Mädchen ist. Wobei ich immer noch fest dahinter stehe, dass Monoedukation in diesem Bereich sein muss. Die Psychologie weißt das auch nach. Sobald man gemischtgeschlechtliche Gruppen in den Workshops hat, dann ist die Rollenverteilung gleich wieder klassisch, dann trauen sich die Mädchen nicht und die Jungs machen es ihnen vor.

Frau Prof. Hahn: Ich habe auch nichts dagegen, die Jungen oder die jungen Männer zu fördern. Aber eben in anderen Bereichen. Wir haben noch Defizite im MINT-Bereich. Wir haben angefangen mit zwei Frauen als Professorinnen an der Hochschule in Koblenz, jetzt sind es vier Professorinnen im Fachbereich. Und da bin ich auch stolz drauf. Aber es sind immer noch 4 von 25. Das ist immer noch ein kleiner Prozentsatz im Fachbereich Mathematik und Technik. Und es wäre einfach wünschenswert dass wir in diesen Stellen mehr qualifizierte Frauen reinbekommen. Und das geht nur durch entsprechende Förderung.

Wenn sich in den letzten 20 Jahren das Selbstvertrauen und Fähigkeitsselbstkonzept von MINT- Frauen gestärkt hat, hat sich denn die gesellschaftliche Wahrnehmung auf MINT-Frauen parallel dazu auch verändert? Bestehen noch die klassischen Geschlechterbilder?

Frau Prof. Hahn: ich denke schon, dass es jetzt mehr Frauen gibt, die als Vorbilder in der Gesellschaft dastehen. Weil sie eben von Technik was verstehen, weil sie im technischen Bereich erfolgreich sind. Ich glaube, dass sie als Exotinnen betrachtet werden, wie in der älteren Generation, das ist nicht mehr so. Trotzdem gibt es natürlich immer noch die gläserne Decke. Dass Frauen, die eigentlich gut qualifiziert sind, an manchen Stellen nicht unbedingt die Stellen bekommen, die ihnen zustehen. Da steht schon noch der Verdacht, dass Männer enger zusammenhalten als Frauen.

Frau Prof. Sander: Diese Mechanismen gibt es sicher noch. Aber ich denke, wenn man es realistisch sieht, ist es ja auch so, der Großteil der Frauen der berufstätig ist, auch der Akademikerinnen, sind halbtags beschäftigt. Das führt natürlich dazu, dass man diese Leute nicht so gerne in Führungspositionen bringt. Also die Vorstellung, dass man eine Führungsposition teilt, die ist heute noch exotisch.

Frau Prof. Quaiser-Pohl: Das hängt davon ab, wie viel Aufwand für die Kinderbetreuung von den Müttern erwartet wird. Aber das mit der Teilzeit ist ja auch ein Grund, warum viele MINT-Frauen nach der Elternzeit oft nicht in den MINT-Bereich zurückgehen, sondern fachfremd unterkommen. Weil irgendwie in diesem Bereich die Teilzeit Tätigkeit nicht so angesehen wird bzw. gar nicht so ermöglicht wird.

Frau Prof. Hahn: Gerade in einer Führungsposition braucht man ja auch Qualifikationen, die man in der Familienzeit erwerben kann. Und deshalb wäre es eigentlich dringend angesagt, dass man Familien-Auszeiten als Qualifikationen begreift, die für die weitere Berufswahl positiv bewertet werden. Da muss auch noch umdenken passieren.

Sind sie noch mit dem Projekt verbunden?

Frau Prof. Hahn: Indirekt. Dadurch dass ich jetzt im Gleichstellungsbereich bin, geht das natürlich in die gleiche Richtung. Und ich werde das Projekt auch weiter beobachten und ich werde auch versuchen, an der Hochschule das Projekt zu fördern, soweit es irgendwie geht.

Werden wir einen 50%igen Frauenanteil in MINTFächern erreichen?

Frau Prof. Hahn: Ich glaube nicht in meiner Lebenszeit. Aber das sollte uns nicht daran hindern, dran zu arbeiten

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